This page is also available in English (en). | Deze pagina is ook beschikbaar in het Nederlands (nl).

Reportret: Galerie rekonstruierter Porträts


Das rekonstruierte Porträt von Christoph Kolumbus

Christoph Kolumbus

Immer auf der Suche nach persönlichem Gewinn und einer besseren gesellschaflichen Stellung war Christoph Kolumbus (*1451–†1506 uz, als ›Cristoforo Colombo‹ geboren, von bescheidener, genuesischer Herkunft) schon zu jedem entlegenen Winkel der Welt, die ihm bekannt war, gesegelt. Er war nach Griechenland, England, den Küsten Westafrikas, und vielleicht sogar Island gereist — zuerst im Dienst genuesischer Handelshäuser, später portugiesischer Geschäftsmänner (die ihm als ›Cristóvão Colombo‹ kannten). Obwohl es allgemein bekannt war, dass man Süd- und Ostasien — die obersten Ziele der meisten europäischen Kaufleute wegen Gewürze und Seiden — erreichen konnte, indem man einfach nach Westen segelte, war er der erste, der einen angenommenen einträglichen Versuch ernsthaft vorbereitete. Sich auf einigen absichtlichen Rechenfehlern verlassend, gelang es ihm, den König und die Königin von Aragón und Kastilien (das heißt Spanien, wo man ihm als ›Cristóbal Colón‹ kannte) davon zu überzeugen, seine Unternehmung zu unterstützen. Christoph Kolumbus machte einen Handel, der zu einem wahren Unternehmer passt. Er würde dem königlichen Paar einen Abkürzungsweg nach Asien in westlicher Richtung plus den Besitz aller dort vorzufindenen unbekannten Gebiete liefern. Als Gegenleistung verlangte er einen adligen Titel und finanzielle Sicherheit fürs Leben — einen Prozentsatz aller Ausbeuten, die aus seinen Entdeckungen hervorgehen würden. In 1492 uz hissten Christoph Kolumbus und seine Bemannung die Segel auf drei Kraweelen und trotzten sie dem scheinbar endlosen Atlantik auf der Suche nach Japan und China, mit wenig sonst als Kompass, Quadrant (oder ähnlichen Instrumenten), und Intuition zum Navigieren. Zufälligerweise stießen sie auf die karibischen Inseln und einen ganz ›neuen‹ Kontinent, der erst viel später als ›Amerika‹ (von Amerigo Vespucci, einem anderen italienischen Seefahrer) bekannt werden würde. Ohne Ahnung von seinem tatsächlichen Platz auf die Erdkugel nannte Christoph Kolumbus die Einwohner ›Indianer‹ — eine Bezeichnung, die noch viele Jahrhunderte hindurch gängig bleiben würde. Er kehrte zurück nach Europa mit Beispielen tropischer Früchte, einigen entführten Ortsansässigern, und einer wunderlichen, gefeierten Geschichte in seinem Schiffsjournal. Wie versprochen wurde er in den Adelsstand erhoben und erwarb er ein festes Einkommen. Er ging noch viele Male nach Amerika zurück, aber sein Glück war nicht dauerhaft. In Widerspruch zu seinem vorgegebenen Ziel, das Christentum zu bringen, machte Christoph Kolumbus auf grausame Weise viele einheimische Amerikaner zum Sklaven und beutete er sie auf einer verzweifelten Suche nach Gold aus. Konflikte mit spanischen Einwanderern und der neuen Ortsverwaltung beendeten seinen Ruhm und sein Glück. Christoph Kolumbus starb als ein enttäuschter Mann: in Ungnade gefallen, ohne die erwarteten Schätze gefunden zu haben, und ohne je Asien erreicht zu haben.

Wie sollten wir uns das Aussehen von Christoph Kolumbus vorstellen? Wie Lester klarmacht, ist keines der vielen existierenden Porträts auch nur einigermaßen wahrheitsgetreu. Wir müssen uns deswegen an andere Quellen wenden. Fernando Colón, der zweite sohn von Christoph Kolumbus, der ihm auf vielen Reisen begleitete, beschreibt ihm als ein großer Mann von normaler Statur (nicht dünn oder dick), mit einem langen Gesicht, hohen Jochbeinen, einer Adlernase, leichten Augen, weißem Haar, und einer rötlichen Haut. Andere Zeugnisse unterschreiben diese Beschreibung mehr oder weniger. In Bezug auf die Garderobe von Christoph Kolumbus ist nichts bekannt, außer der Tatsache, dass er sich während des letzten Teils seines Lebens wie ein Mönch kleidete. Davor trug er wahrscheinlich Kleider, die für wohlhabende Kaufleute und Adlige entlang dem nördlichen Mittelmeer gebräuchlich waren. Diese Kleidung kann auf vielen norditalienischen Fresken der frühen Renaissance studiert werden: ein weicher Hut oder Mütze (ohne Rand oder mit dem Rand umgeschlagen), ein Wams (Farsetto genannt, eine wattierte Unterjacke mit gepufften Ärmeln bei den Schultern) mit einem Hemd und einer Unterhose darunter, ein gefaltener Überzieher (nämlich ein Cioppa mit Ärmeln, oder ein Giornea ohne Ärmel und offen zur Seite), ein Gürtel, stramme Strümpfe (Calzebraghe), die am Wams gebunden wurden, und weiche Schuhe. Oftmals hatte jede Strumpf eine eigene Farbe. Ältere Männer trugen längere Überzieher, wohingegen jüngere Männer manchmal sehr krürze bevorzugen. Zusätzlich konnte man einen Mantel über dies alles hindrapieren. Die Männer ließen ihr Haar von vorne meistens kurz und von hinten länger, die Ohren bedeckend, schneiden. Bärte oder Schnurrbärte waren nicht in der Mode.

Welcher Stil war allgemein geläufig zur Zeit von Christoph Kolumbus? Die Kunst befand sich in einem Änderungsprozess im Zeit von Christoph Kolumbus — einem Zeitalter, das jetzt ›frühe Renaissance‹ genannt wird. Künstler schauten zunehmend die Natur an, um ihre Entwürfe herzustellen, statt die alte Beispielbücher zu Rate zu ziehen. Sie fingen an, Falten in Kleidung, die menschliche Haltung, und die Perspektive zu studieren. Porträts waren sehr beliebt (tatsächlich ein Aufleben nach vielen Jahrhunderten fast völliger Abwesenheit) und die Gesichtszüge wurden mit großer Fähigkeit und in allen Einzelheiten wiedergegeben. Papier wurde verfügbar fürs Herstellen von Zeichnungen und, weil es viel billiger war als Pergament, wurde Skizzieren ein normaler Gebrauch. Und, zum Schluß, wurde die altehrwürdige Angst vor leerem Raum in einem Entwurf (horror vacui) allmählich verlassen. Die spezifische Stilkennzeichen der Kunstwerke wurden hauptsächlich abhängig vom Talent des betreffenden Künstlers und den Materialien, die angewendet wurden — Marmor, Bronze, Ölfarbe auf Leinwand, Tempera auf Holz, Wasserfarbe auf Mörtel, Tinte auf Papier. Alles war möglich: alle Arten von Realismus, alle Arten von Farbanwendung. Das Druckerhandwerk fing gerade an zu blühen, also gerieten auch Holzschnitte allmählich weit verbreitet. Die Qualität dieser frühen gedruckten Illustrationen war allerdings nichts im Vergleich zu den handgemachten Bildern und war nicht sehr geeignet fürs Herstellen von Porträts. Weil der Ruhm von Christoph Kolumbus während seines Lebens nur kurz dauerte, scheint es passend, dass sein Porträt aus einer mit Wasserfarbe kolorierten Skizze auf Papier bestanden hätte, wie ein mögliches Übungsstück, statt einem vollendeten, raffinierten Gemälde auf Leinwand, Holz, oder Mörtel.

Die folgenden Details sind in das rekonstruierte Porträt aufgenommen worden. Christoph Kolumbus posiert mit einem Quadrant, den er mehrere Malen stolz in seinem Schiffsjournal erwähnt (obwohl er ihn nicht sehr gut bedienen konnte). Seine Kleidung ist der Kleidung, die auf den Fresken der frühen Renaissance zu sehen ist, ähnlich. Sein Gesicht, sein Haar, und sein Körperbau wurden in Übereinstimmung mit der Beschreibung, die Fernando Colón gibt, gezeichnet. Die Hintergrund is leer gelassen, weil das Porträt eine Vorbereitungszeichnung vorstellt.

Vorschläge oder Bemerkungen anlässlich dieser Rekonstruktion? Jeder Kommentar ist sehr erwünscht.


Quellen



Alternativen für ›Christoph Kolumbus‹: Christopher Columbus / Christoffel Columbus / Christophe Colomb / Christophorus Columbus / Cristóvão Colombo / Cristóbal Colón / Cristoforo Colombo

W3C: »Valid XHTML 1.0!« W3C: »Valid CSS 2!« Mit jedem Browser zugänglich: barrierefrei »Schau Mama, ohne Frames!« Gemäß dem KISS-Prinzip entworfen Dublin Core Metadaten

© MMIII–MMVIII Marco Bakkermarco@reportret.infowww.reportret.info/de